Corona und die Energiewirtschaft: Im Rahmen der Videoserie „Have a Tea with Dr. E.“ des SmartCity.institute hat Institutsleiterin Prof. h.c. Dr. Chirine Etezadzadeh unseren Vorstandsvorsitzenden Dr. Thorsten Radensleben zur aktuellen Situation befragt. Es geht um Herausforderungen der Krise, um Learnings für die Zeit danach, um Innovation, die Klimadebatte und einiges mehr.

Wie geht es badenova – einem kommunalen Energieversorger – momentan?

Diese Frage interessiert derzeit nicht nur unsere Mitarbeitenden der badenova, sondern auch unsere Kundinnen und Kunden, unsere kommunalen Anteilseigner, Gemeinden oder Medien. Prof. Dr. h.c. Chirine Etezadzadeh vom SmartCity.institute ist in ihrer Videoreihe „Have a Tea with Dr. E.“, die sich mit der Frage befasst: ‚Wie geht es Deutschland?‘ spannenden Fragen auf den Grund gegangen. Rede und Antwort stand unser Vorstandsvorsitzender Dr. Thorsten Radensleben. Um Dir einen kleinen Einblick zu geben, haben wir für Dich vier Interviewfragen in diesem Blobeitrag vertextet. Das Video haben wir Dir am Ende des Beitrags verlinkt.

badenova Vorstand Dr. Thorsten Radensleben
Dr. Thorsten Radensleben ist seit 2002 im badenova Vorstand – seit 2005 ist er unser Vorstandsvorsitzender.

Etezadzadeh: »Was resultiert aus den Erfahrungen der Coronakrise?«

Radensleben: „Das ist sicherlich ein großes Bündel an Erfahrungen. Ich kann bisher noch nicht alles überblicken, was noch passieren wird. Wir haben beispielsweise ein Projekt initiiert während der Coronazeit, bei dem wir gesagt haben: Wir wollen jetzt schon mal Erfahrungen sammeln, um nach der Krise nicht in ein sogenanntes „Nach-Corona-Loch“ zu fallen. Dabei geht es insbesondere darum, dass wir alle danach nicht wieder in ‚alte Muster‘ zurückgehen, sondern sehr frühzeitig bestimmen, was wir aus der Krise auch an Positivem mitnehmen möchten.

Es liegt natürlich nahe, dass wir alle sagen: Das Homeoffice! Von vielen hört man ja: ‚Wir werden jetzt in Zukunft alle mehr Homeoffice haben‘. Aber ich glaube auch, dass die Erfahrungen nicht eindeutig genug sind, um das so einfach zu bejahen. Das ist meiner Meinung deutlich vielfältiger zu betrachten. Denn auf der Basis von bestehenden Vertrauensbeziehungen und verlässlicher Zusammenarbeit kann man sicherlich eine Zeit lang wunderbar die Dinge digital abhalten – in digitalen Meetings, Telefonkonferenzen etc. Ich glaube aber auch, dass der Aufbau von solch guten Arbeitsbeziehungen persönlichen Kontakt erfordert und dass man sich ab und zu auch mal persönlich sehen sollte. Daher wird es eher die Frage sein: Wie organisiert man es, dass wir viele Dinge sehr gut digital machen können und trotzdem das persönliche und reale Zusammentreffen nicht verloren geht?“


Prof. h.c. Dr. Chirine Etezadzadeh beim badenova Zukunftsforum im Jahr 2018.
Prof. h.c. Dr. Chirine Etezadzadeh beim badenova Zukunftsforum im Jahr 2018. Ihr Impulsvortrag handelte von Smart Citys, der Digitalisierung und davon, welche Rolle kommunale Energieversorger dabei einnehmen.

Etezadzadeh: »Welche Technik aus dem Themenfeld des Smart Business hättest Du gerne schon während der Krise gehabt?«

Radensleben: „Ich glaube den Standardsatz, den jetzt jeder nennen würde aus der Versorgungsbranche wäre: Digitale Fernauslesung von Zählern.

Deswegen überspringe ich mal diesen Part: Liebe Chirine, Du weißt ja, dass wir bei badenova viele Smart City-Anwendungen ausprobieren und dass wir uns auch sehr um das Thema LoRaWAN kümmern. Und da haben wir eine Anwendung bei uns ausprobiert: Den Wifi-Sniffer. Das ist ein Sensor, den man einstellen kann und der dann in einem bestimmten definierten Umfeld misst, wie viele Personen mit ihren Smartphones eingeloggt sind. So kann man beispielsweise herausfinden, wie viele Menschen sich in Warteschlangen befinden. Wir haben das ausprobiert bei uns in der Kantine, um herauszufinden, wie lang die Essensschlange ist. Das ist auch eine spannende Anwendung, wenn man überwachen möchte, ob bestimmte Regelungen eingehalten werden. Wir könnten das theoretisch dafür nutzen, um herauszufinden, mit wie vielen Personen unsere Besprechungsräume belegt sind. Man könnte dies aber auch für den öffentlichen Nahverkehr nutzen – beispielsweise bezüglich der Belegungen. Also da gibt es eine Menge an Anwendungsbereichen. Und ja – wenn wir das schon hätten, dann wäre das etwas, was wir jetzt gut vermarkten könnten und was sicher viele Anwendungszwecke finden würde.“


Wifi-Sniffer (Definition nach Wikipedia*)

…oder auch „WLAN-Sniffer“ genannt ist ein Programm zum Auffinden von drahtlosen Rechnernetzen (WLANs) und Abhören darüber übertragener Daten.


Etezadzadeh: »Glaubst Du, wir können direkt nach der Corona-Krise wieder an die Klima-Debatte anknüpfen oder verfallen wir jetzt in kurzfristiges Denken?«

Radensleben: „Das hört sich nach einer leichten Frage an, ist jedoch nicht so leicht zu beantworten.

Die Bundesregierung hat kürzlich erst Maßnahmen zum Thema Wind und Photovoltaik beschlossen – man könnte also meinen, es geht weiter. Meine Sorge ist aber, dass die Dynamik und die Bedeutung dieses Themas in der Wahrnehmung der Gesellschaft, die vor Corona über „Fridays for Future“ und die ganzen Diskussionen entstanden ist, wieder ein bisschen verloren geht und die Politik darauf mittelfristig reagiert. Ich befürchte, sobald dieser Druck aus der Bevölkerung, aus der öffentlichen Meinung, wieder raus ist, wird leider auch die Politik wieder einen Gang zurückschalten. Dann stehen vor allem wirtschaftliche Themen auf der Agenda, weshalb der Klimaschutz erst einmal hinten anstehen könnte.“

Dr. Thorsten Radensleben, Prof. h.c. Dr. Chirine Etezadzadeh, Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl und Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn beim badenova Zukunftsforum 2018 in Merzhausen.
Dr. Thorsten Radensleben, Prof. h.c. Dr. Chirine Etezadzadeh, Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl und Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn beim badenova Zukunftsforum 2018 in Merzhausen.

Etezadzadeh: »Wo wir gerade beim Aspekt der Energiewende sind: Warum scheitert die konsequente Umsetzung der Energiewende?«

Radensleben: „Das Phänomen des Klimawandels ist sehr abstrakt und liegt weit in der Zukunft. Man muss sich diesem Thema sehr intellektuell nähern und es begreifen, weil man es nicht tagtäglich erlebt. Ich denke, viele Menschen müssen erstmal an den Punkt kommen, an dem sie für sich akzeptieren, dass der Klimawandel stattfindet und in 20, 30, 40, 50 Jahren die Lebensgrundlagen zerstören wird.

Und das Zweite ist, dass wir nicht erwarten können, dass Menschen aus Überzeugung einen Schritt nach dem anderen gehen. Eine Massenbewegung auslösen, beziehungsweise wirklich etwas bewegen, können wir dann, wenn etwas einfach ist. Viele sind im Kopf schon sehr weit, wir müssen aber versuchen, das entsprechende Handeln so einfach wie möglich machen, dass es quasi automatisch passiert. Und ich glaube, mit der Hilfe der Digitalisierung, der Automatisierung und Steuerung von Energieströmen – zum Beispiel über das Smartphone – kann das gelingen.“


Du willst mehr über dieses spannende Thema erfahren? Das komplette Interview gibt’s hier zum Ansehen:


Weitere Infos zur Videoreihe gibt’s hier: https://smartcitynews.global/*


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