AKTUELLE NACHRICHTEN

Stand 08.02.2017

Die Bürger-App „Wunderfitz“

In Alltag und Freizeit soll sie für die Freiburger Bürger zum täglichen „smarten“ Begleiter werden. Unternehmen können einen Zugang beantragen und kostenlos ihre Informationen, Rabatte und Angebote platzieren. Die App gibt es in den einschlägigen Stores zum kostenlosen Download.

Mit „Wunderfitz“ hat badenova zusammen mit zahlreichen Partnern eine Bürger-App für die Region entwickelt. Die App liefert in kompakter Form die Nachrichtenhighlights der Stadt bzw. Region, Wissenswertes rund ums Rathaus, ein Branchenbuch, einen Event- und Veranstaltungskalender, Infos zum Fahrplan (ÖPNV) und zum SC-Freiburg sowie den lokalen Abfallkalender. Sie besitzt hierbei intelligente und ausdifferenzierte Filtermöglichkeiten: nur jene Inhalte sollen eingeblendet werden, die von persönlichem Interesse für den Nutzer sind. Darüber hinaus gibt es Extrarubriken für Vereine und Gewerbe, in welche diese auch selbst Informationen und Neuigkeiten (u.a. Kontaktmöglichkeiten, Angebote, Aktionen) einstellen können. Wer die App besitzt, muss nicht mehr verschiedenste Internetseiten bemühen, sondern hat alles auf einen Blick in gebündelter Form.

Infos über die Wunderfitz gibt es auf www.wunder-fitz.de . Über diese Webseite können Vereine und Gewerbe aus Freiburg, Bad Krozingen, Breisach und Neuenburg einen Zugang beantragen und kostenlos ihre Informationen, Veranstaltungen, Rabatte etc. entsprechend einpflegen.


Stand: 08.02.2017

Stichwort Servitization

Wenn Unternehmen nicht nur das Produkt verkaufen, das sie herstellen, sondern auch zugehörige Dienstleistungen, nennen Fachleute das Servitization. Der Schritt vom reinen Hersteller zum Serviceanbieter will gut überlegt und professionell gehandhabt werden. Denn er rührt auch an die Unternehmenskultur.

Um Marktanteile zu gewinnen oder zu sichern, verknüpfen produzierende Unternehmen den Verkauf ihres Produkts mit verwandten Dienstleistungen. Als „Adding value by adding services“ charakterisieren Ökonomen diese Strategie, oder kurz als Servitization. In der Fachliteratur tauchte der Begriff 1988 zum ersten Mal auf. Als bekanntes Beispiel wird das „Power-by-the-hour“-Modell von Rolls Royce Triebwerke angeführt: Airlines buchen – im Unterschied zum bloßen Kauf– beim Hersteller Rolls Royce die Bereitstellung eines funktionstüchtigen Triebwerks inklusive dessen Überwachung, Wartung und Reparatur über die gesamte Lebensdauer. Oder der schwedische ICI-Nobel-Konzern, der sich vom Hersteller von Sprengstoffen zum Anbieter von Sprengungen wandelte – inklusive ihrer Planung, Vorbereitung und Durchführung. Servitization ist auch die Idee dahinter, wenn Autohersteller zu Mobilitätsdienstleistern werden, Car-Sharing anbieten oder eine Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge aufbauen: Der Kunde kauft ein Ergebnis.

Vom Add-on bis zur Komplettlösung
Experten klassifizieren solche Kombiangebote danach, wie stark das ursprüngliche Produkt bzw. die Dienstleistung im Vordergrund steht. Die fünfstufige Skala reicht von „produktorientiert“ bis „ergebnisorientiert“. Am Beispiel einer Heizungsanlage könnte das so aussehen:

- Produktorientiert: Der Heizungsanlagenhersteller verkauft mit der Heizung auch deren Installation und regelmäßige Wartung.
- Integrationsorientiert: Der Hersteller bietet zusätzlich die Finanzierung der neuen Heizung an.
- Serviceorientiert: Das Produkt und die Dienstleistung werden als Einheit verkauft, wie zum Beispiel eine Heizung plus Smart-Home-Anwendungen zur Überwachung und Steuerung.
- Nutzungsorientiert: Das Augenmerk liegt auf der Funktion des Produkts. Der Kunde kauft, der Lieferant rechnet „Wärme“ ab.
- Ergebnisorientiert: Statt einer Heizung bekommt der Kunde das passende Konzept. Das kann statt einer konventionellen Heizung z.B. eine Wärmepumpe plus Solarthermie sein.

Die Vorteile
Unternehmen bieten produktverwandte Dienstleistungen an, um die Wertschöpfungskette zu „verlängern“ und Bestandskunden stärker an sich zu binden. Auch der Gedanke, Wettbewerber auszuschließen und sich ein Alleinstellungsmerkmal zu schaffen, spielt eine Rolle. Hinzu kommt, dass, wer sich mit seinem Produkt bereits einen Namen gemacht hat, verwandte Felder leichter erschließen kann.
Dem Kunden erspart ein Komplettanbieter die Suche nach verlässlichen Dienstleistern für das Produkt, das er gekauft hat. Er kann sich seinem Kerngeschäft widmen. Stärker noch wiegen die Kostenvorteile – von der möglichen Ersparnis bei der Anschaffung, über geringere Betriebskosten durch effizienteren Betrieb, bis hin zur Möglichkeit, fixe Kosten in variable umzuwandeln.
Im Idealfall mündet die intelligente Verknüpfung von Produkt und Dienstleistung in eine Win-win-Situation: Der Hersteller weitet sein Geschäft aus. Weil er nicht primär an Reparaturen oder dem Verkauf von Ersatzteilen verdient, sondern seine Kunden mit Serviceleistungen langfristig binden will, profitieren diese von einem fairen Preis für ein (Rundum)-Sorglos-Paket durch einen garantiert kompetenten Anbieter.

Die Voraussetzungen
Servitization ist jedoch kein Konzept, das Unternehmen nebenbei verfolgen können. Wenn Services integraler Bestandteil des Geschäfts werden sollen, muss auch die entsprechende Mentalität vorhanden sein. Das betrifft Vertrieb, Marketing und Controlling ebenso wie die interne und die externe Kommunikation. Ein Kulturwandel steht an. Denn Industrieunternehmen und reine Dienstleister „ticken“ unterschiedlich. Servitization verlangt, beide Kulturen in einem Unternehmen zu vereinen. Dazu müssen die notwendigen Strukturen geschaffen und von den Mitarbeitern verstanden und gelebt werden. Auch die Kunden müssen umdenken und die Marke muss den Schwenk „verkraften“.
Der Königsweg in einem immer enger werdenden, globalisierten Markt ist Servitization nicht. Eine Überlegung, auch für Nicht-Weltfirmen, ihre Kunden durch mehr Service zu binden, ist sie allemal wert.

Mehr Info:
Im Internet unter dem Stichwort „Servitization“. Die Ergebnisse dieser Recherche, u.a. eine Präsentation von Prof. Dr. Ing. Graham Horton von der Universität Magdeburg, ist auch Grundlage unseres Artikels.

Buchtipp:
Made to Serve: How Manufacturers Can Compete Through Servitization and Product Service Systems von Timothy Baines und Howard Lightfoot

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