Palmöl – Was ist das Problem dahinter?

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Es steckt fast überall drin: in Lebensmitteln, Medikamenten und sogar im Bio-Kraftstoff. Die Rede ist von Palmöl. Viele Verbraucher:innen boykottieren Produkte mit Palmöl. Aber ist das die Lösung? Und warum ist Palmöl schädlich für die Umwelt? Wie können wir unseren Palmölkonsum nachhaltiger gestalten? Alles rund um die Palmöl-Problematik lesen Sie in diesem Blogbeitrag.

Was ist Palmöl?

Palmöl – auch Palmfett genannt – wird aus der Ölpalme gewonnen, genau genommen aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme. Der Kern der Frucht enthält ebenfalls Öl – sogenanntes Palmkernöl.

Eine Ölpalme kann bis zu 4.000 ölhaltige Früchte tragen und wird bis zu 30 Meter groß. Ihren Ursprung hat sie in Westafrika, denn die Ölpalme wächst am besten in tropischen Gebieten. Heutzutage wird sie in fast allen tropischen Regionen der Erde angebaut, vor allem aber in Regenwald-Regionen wie Indonesien, Malaysia und Brasilien. Die Palmöl-Gewinnung ist sehr ertragreich, was dazu führt, dass es das günstigste und meistverwendete Pflanzenöl der Welt ist und der Ausbau immer weiter voranschreitet. Der Ölgehalt der Palmöl-Früchte beläuft sich auf rund 45 bis 50 Prozent, was sie besonders lukrativ macht.

Laut Statista können aus einem Hektar Ölpalmen 3,8 Tonnen Palmöl gewonnen werden. Im Vergleich: Auf der gleichen Fläche lassen sich nur rund 0,8 Tonnen Raps- oder Sonnenblumenöl erwirtschaften und nur 0,5 Tonnen Sojaöl. Palmöl ist geschmacksneutral und bei Zimmertemperatur ein festes Fett. Es ist ein vielfältiges und hitzestabiles Öl und zählt in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern der Erde als Lebensgrundlage, um den benötigten Fettbedarf zu decken.

Wie wird Palmöl hergestellt?

Etwa drei bis fünf Jahre nach dem Anbau können die ersten Früchte der Ölpalme geerntet werden. Bei der Palmöl-Herstellung werden die Früchte nach der Ernte mit Dampf sterilisiert. Anschließend werden die Früchte geöffnet und das Öl aus dem Fruchtfleisch gepresst.

Nahaufnahme von leuchtend roten Palmnüssen, die halbiert sind und ihr orangefarbenes Fruchtfleisch und ihre grauen Kerne zeigen, verstreut auf einer Holzoberfläche.
Aufgrund des hohen Anteils an Karotin ist das Fruchtfleisch der Palmöl-Frucht orange-rot.

Warum ist Palmöl schädlich?

Die Palmöl-Produktion gerät immer wieder in die Kritik und viele Verbraucher:innen kaufen bewusst Produkte ohne Palmöl. Denn der Anbau von Palmöl bringt einige Probleme mit sich, die schädlich für die Umwelt und das Klima sind. Auch negative soziale Aspekte spielen eine Rolle. Warum die Palmöl-Gewinnung schädlich für Umwelt, Klima und Mensch sein kann, erklären wir Ihnen im Folgenden.

1. Rodung des Regenwaldes
Um Palmöl-Plantagen anzubauen, wird Regenwald gerodet und in Teilen illegal niedergebrannt. Inzwischen werden weltweit auf rund 19.000.000 Hektar Ölpalmen angebaut. Das ist viermal so viel wie noch vor 30 Jahren. Die meisten Palmöl-Plantagen gibt es in Indonesien.

Luftaufnahme der Abholzung mit aufsteigendem Rauch, einem Bulldozer, der Bäume rodelt, und grünem Wald im Hintergrund unter bewölktem Himmel.
Für Palmöl-Plantagen wird Regenwald abgeholzt.

2. Beschleunigung des Klimawandels
Durch das Niederbrennen des Regenwalds schreitet der Klimawandel immer schneller voran. Denn der Regenwald – auch als grüne Lunge der Erde bezeichnet – sorgt dafür, dass CO2 aus der Atmosphäre gebunden und in Sauerstoff umgewandelt wird. Werden die Regenwälder dieser Welt also immer kleiner, um immer mehr Platz für Ölpalmen zu schaffen, gibt es immer mehr Kohlenstoffdioxid in der Luft und weniger Sauerstoff zum Atmen. Das ist schlecht für uns Menschen, die Tierwelt und das Klima.

3. Begünstigung des Treibhauseffekts
Das Niederbrennen des Regenwalds begünstigt außerdem den Treibhauseffekt. Denn das Niederbrennen setzt Treibhausgase frei, die für eine erhöhte Temperatur und mehr Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre sorgen.

4. Verlust der Biodiversität
Die Ölpalme wird – wie viele andere gewinnbringende Pflanzen auch – meist in Monokulturen angebaut. Dafür müssen viele Pflanzen- sowie Tierarten weichen, da ihr Lebensraum verschwindet. Das führt zu einem Verlust der Biodiversität. Besonders Regenwälder sind normalerweise von einer hohen biologischen Vielfalt geprägt.

5. Gefahr des Artensterbens
Durch das Niederbrennen der Regenwälder und der angebauten Monokultur „Ölpalme“ besteht nicht nur die Gefahr, dass Tiere vertrieben werden, um sich woanders ein neues Zuhause zu suchen. Es besteht auch die Gefahr, dass gewisse Tierarten in einigen Erdteilen komplett aussterben. Beispielsweise ist der Orang-Utan in Indonesien besonders vom Aussterben bedroht. Aber auch Tiere wie der Sumatra-Tiger und Paradiesvögel sind dieser Gefahr ausgesetzt.

Orang-Utan-Mutter, die ihr Baby sanft in den Armen hält, beide mit dichtem rotbraunem Fell, vor einem verschwommenen natürlichen Hintergrund.
Sie verlieren ihren Lebensraum: Durch die Abholzung des Regenwaldes sind Tierarten wie Orang-Utans vom Aussterben bedroht.

6. Vertreibung von Einheimischen
Immer wieder liest man von Vertreibungen von Einheimischen, die ihre Siedlungen nicht widerstandslos für den Palmöl-Anbau verlassen möchten. Meistens kommt es jedoch dazu, dass sie bedroht und gewaltvoll vertrieben werden – von Palmölfirmen. Ihre Häuser werden niedergebrannt und sie verlieren ihr Zuhause.

7. Verletzung von Menschenrechten
Zur Vertreibung der Menschen aus ihren Häusern und dem illegalen Niederbrennen kommt hinzu, dass es auch auf den Palmöl-Plantagen immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen kommt. Häufig werden nicht genügend Vorkehrungen bezüglich der Arbeitssicherheit getroffen. So kann es bspw. zu Vergiftungen durch Pestizide oder Verletzungen durch herabstürzende Palmen kommen. Viele Arbeitnehmende – deren einziger Ausweg die Arbeit auf den Plantagen ist, um Geld zu verdienen – berichten außerdem über Drohungen, Betrugsfälle, unbegründete Entlassungen sowie Misshandlungen und Menschenhandel. Auch Kinderarbeit spielt auf Palmöl-Plantagen eine Rolle.

Palmöl – wo steckt‘s drin?

Viele fragen sich: In welchen Produkten ist Palmöl enthalten? Wo ist Palmöl drin? Die ernüchternde Antwort ist einfach: Nahezu überall.

Palmöl-Produkte finden Sie im Supermarkt, in der Apotheke und an der Tankstelle. Denn Palmfett befindet sich in Lebensmitteln, Kosmetik, Reinigungsmitteln, Pharmazieerzeugnissen, Futtermitteln für Tiere und in Biokraftstoffen.

Infografik über den Verbrauch von Palmöl in Deutschland für einzelne Konsumgüter
Palmöl steckt fast überall drin, egal ob in Lebensmitteln, Medikamenten oder im Biokraftstoff.

Um Ihnen einen genaueren Überblick über Produkte mit Palmöl zu verschaffen, haben wir im Folgenden eine kleine Auflistung für Sie zusammengestellt. Natürlich gilt zu beachten, dass es diese Produkte teilweise auch ohne Palmöl gibt. Diese erkennen Sie an Hinweisen auf der Verpackung.

Lebensmittel mit Palmöl

  • Schokolade

  • Schokoaufstriche, wie bspw. Nutella

  • Butter

  • Margarine

  • Babynahrung

  • Fertiggerichte, wie bspw. Tiefkühlpizza oder Tütensuppen

  • Kekse

  • Chips

  • Schokoriegel

  • Müsli

Palmöl in Kosmetik

  • Gesichtscreme

  • Lippenstifte

  • Bodylotions

  • Wimperntusche

Palmöl in Reinigungsmitteln

  • Waschmittel

  • Seife

  • Duschgel

  • Deo

Sonstige Produkte mit Palmöl

  • Kerzen

  • Bio-Kraftstoffe

  • Tierfutter

Wie erkenne ich Palmöl in Lebensmitteln?

Welche Lebensmittel, Kosmetik und Waschmittel Palmöl enthalten, erkennen Sie an der Zutatenliste bzw. Inhaltsstoffliste. Ist dort „Palmöl“, „vegetabiles Fett“ oder „pflanzliches Öl“ aufgelistet, enthält das Produkt in der Regel Palmöl. Aber auch folgende, versteckte Namen weisen auf Palmfett hin:

  • Palmitic Acid

  • Palm Oil Kernal

  • Palm Olein

  • Palm Sterine

  • Palmate

  • Palmitate

  • Palmitinsäure

  • Palmkernöl

  • Hydrogenated Palm

  • Glycerides

  • Hydrogenated Palm

  • Glycerides Citrate

  • Isopropyl Octyl Palmitate

  • Hydrated Palm Glycerides

  • Sodium Palmate

  • Sorbitan palmitate

  • Sodium Palm Kernelate

  • Ascorbyl Palmitate

  • Cetyl Palmitate

  • Retinyl palmitat

  • Palmitamidopropyltrimonium chloride

  • Palmitoyl myristyl

  • Palmitoyl oxostearamide

  • Palmitoyl oligopeptide

  • Palmitoyl tetrapeptide‐3

  • Ethylhexyl palmitate

  • Elaeis Guineensis

Quelle: orang-utans-in-not.org

Palmöl erkennen leicht gemacht

Wenn Sie es sich einfach machen wollen, können Sie auch Apps wie CodeCheck oder Yuca nutzen, um herauszufinden, ob ein Produkt Palmöl enthält. Mit diesen Apps können Sie ganz einfach den Barcode auf dem Produkt im Laden mit Ihrem Smartphone scannen und schon spuckt Ihnen die App aus, ob Palmfett enthalten ist oder nicht.

So ungesund ist Palmöl

Viele Konsumierende möchten Palmöl vermeiden – und das nicht nur, weil es schlecht für die Umwelt ist, sondern auch, weil Palmöl ungesund sein soll.
Manche Medienportale berichten sogar davon, dass Palmöl krebserregend sei. Aber wie ungesund und gefährlich ist Palmfett wirklich für unsere Gesundheit?

Ein blaues Stethoskop liegt neben einem geöffneten Laptop auf einer weißen Fläche und symbolisiert medizinische und technologische Themen.
Ist Palmöl ungesund? Laut einigen Studien sind manche Stoffe darin gesundheitlich bedenklich.

Palmöl vermeiden für die Gesundheit?

Beim Raffinationsprozess von Palmöl können schädliche Stoffe entstehen, die für unsere Gesundheit bedenklich sind. Dabei ist immer wieder die Rede von Glycidol, 3-MCPD (Monochlorpropandiol) und 2-MCPD, die beim menschlichen Verdauungsvorgang entstehen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schreibt, dass diese Stoffe „gesundheitsschädigendes Potenzial“ aufweisen und „daher in Lebensmitteln unerwünscht sind“. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gilt Glycidol als DNA-schädigend sowie krebserregend.

Der Stoff 3-MCPD sei laut EFSA für die meisten Menschen in geringen Mengen unbedenklich, für Kleinkinder und Babys kann es jedoch zu gesundheitlichen Risiken kommen. Seit Anfang des Jahres 2021 gilt in Europa ein Höchstwert für 3-MCPD in Lebensmitteln.

Das BfR kann derzeit aufgrund fehlender Daten nicht bestätigen, dass es sich bei 2-MCPD und seinem Fettsäureester um einen toxischen Stoff für den Menschen handelt.

Liste von Produkten ohne Palmöl

Sie sind auf der Suche nach Produkten ohne Palmöl? Wir haben einige palmölfreie Alternativen zu beliebten Produkten für Sie herausgesucht.

Hinweis: Bei den folgenden Produktaufzählungen handelt es sich um freiwillige und unentgeltliche Empfehlungen. Wir stehen in keinem Zusammenhang mit den Firmen oder Produkten.

Nutella ohne Palmöl
Auch im beliebten Nuss-Nougat-Aufstrich Nutella ist Palmöl enthalten. Eine Schokocreme ohne Palmöl ist bspw. die Bio Dattel Haselnuss Creme von Koro, aber auch die Brinkers La Vida Vegan Nuss-Nougat Bio und der nucao spread – Creamy Noisette von the nu company kommen ohne Palmöl aus.

Margarine ohne Palmöl
Die beliebte Margarine-Marke Rama gibt es zwischenzeitlich auch ohne Palmöl. Die palmfettfreie Variante heißt „Rama ohne Palmöl“. Im Biomarkt, Supermarkt und Discounter finden Sie inzwischen auch zahlreiche andere Margarinesorten ohne Palmöl, bspw. das Sojola Streichfett oder die Bio Margarine von Landkrone.

Schokolade ohne Palmöl
Bei den klassischen Schokoladenherstellern wie Milka und Lindt enthalten viele Produkte Palmöl. Inzwischen gibt es jedoch auch einige Schokoladenhersteller, die Palmöl vermeiden, bspw. the nu company oder iChoc.

Kekse ohne Palmöl
Viele Kekse ohne Schokolade sind palmölfrei, wie bspw. die Veganz Bio Zitronenkekse. Aber auch Kekse mit Schokolade können ohne Palmöl sein, bspw. die Bio Schoko Butterkekse von Alnatura.

Erdnussbutter ohne Palmöl
Wenn Sie auf der Suche nach einer Erdnussbutter ohne Palmöl sind, können wir Ihnen Erdnussmus empfehlen – schmeckt fast genauso wie Erdnussbutter, ist nur viel gesünder, da es aus 100 % Erdnüssen besteht. Es enthält also weder zugesetztes Fett noch Zucker – ein doppeltes Plus für Ihre Gesundheit also. Erdnussmus finden Sie von verschiedenen Anbietern im Drogerie-, Bio- und Supermarkt, meistens sogar in Bio-Qualität. Achten Sie darauf, dass bei den Zutaten nichts außer Erdnüssen gelistet ist.

Seifen ohne Palmöl
Viele Marken setzen inzwischen auf palmölfreie Seifen. Im Internet finden Sie massig Ergebnisse dazu, bspw. die Seifen von Mara Naturkosmetik oder Loona’s.

Glas Erdnussbutter mit einem schwarzen Löffel darin, umgeben von ungeschälten Erdnüssen auf einer Marmoroberfläche.
Egal ob Margarine, Erdnussbutter oder Seife – oftmals haben sie eines gemeinsam: Palmöl als Bestandteil.

Darum bringt ein Verzicht auf Palmöl nichts

Welche Palmöl-Alternativen gibt es? Was bringt ein Verzicht? Und sollten wir nicht vielmehr auf nachhaltiges Palmöl umsteigen?

Das Palmöl-Thema ist ein wahres Dilemma.

Aufgrund der Kritik, der Palmöl ausgesetzt ist, möchte die EU die Beimischung von Palmöl zu Biokraftstoffen bis 2030 verbieten. Aber ist das die Lösung des Palmöl-Problems? Die Antwort lautet: Nein. Verzichte oder gar Verbote von Palmöl lösen das Problem nicht, sie könnten es laut einer Studie des WWF sogar noch schlimmer machen. Denn wie eingangs erwähnt, ist kaum ein anderes Pflanzenöl so ertragreich und effizient wie das der Ölpalme. Würde man auf Palmöl-Alternativen wie Kokos-, Soja- oder Rapsöl umsteigen, würde viel mehr Anbaufläche benötigt werden. In diesem Fall würden auch die Treibhausgasemissionen in die Höhe schießen, sowie noch mehr Tier- und Pflanzenarten bedroht sein. Das Problem ist also nicht Palmöl per se, sondern vielmehr die verheerende Produktion von nicht-nachhaltigem Palmöl und zu wenig Berücksichtigung von ökologischen und sozialen Aspekten.

Große Umweltschutzorganisationen wie der WWF fordern schon seit langem einen sozial und ökologisch verträglicheren Umgang mit Palmöl. Ein erster Schritt könnte die Zertifizierung nach dem RSPO (globaler Standard für nachhaltigeres Palmöl) sein.

Der beste Tipp, den wir Ihnen geben können, um Ihren Palmöl-Konsum nachhaltiger zu gestalten ist also, Ihren Konsum von konventionellem Palmöl weitestgehend einzudämmen oder ganz zu verzichten und Produkte mit nachhaltigem Palmöl zu unterstützen.