Vielfalt ist bereichernd, Vielfalt sorgt für kreative Lösungen, Vielfalt bringt Unternehmen weiter – nicht nur unsere Gesellschaft ist bunt, auch unsere Arbeitswelt. Der Deutsche Diversity-Tag hat sich zum Ziel gesetzt dafür zu sensibilisieren. Doch wie können wir eine Arbeitswelt schaffen, in der alle ihren Talenten nachgehen können, frei von Vorurteilen oder Diskriminierung. Wie können wir eine Arbeitsumgebung schaffen, in der jede/r so sein kann, wie er ist? Wir haben dazu mit Diversity-Expertin und Menschenrechtsaktivistin Inge Bell gesprochen.

Deutscher Diversity-Tag – was hat es damit auf sich?

Bereits zum 9. Mal in Folge findet am 18. Mai der Deutsche Diversity-Tag statt. Ausgerufen von der Initiative Charta der Vielfalt e. V. soll der Aktionstag für mehr Bewusstsein von Vielfalt in der Arbeitswelt sorgen. Allein 2020 haben über 800 Unternehmen und Institutionen an der Aktion teilgenommen und Flagge für Diversity gezeigt. (Quelle: Charta der Vielfalt) Ziel ist es, ein Arbeitsumfeld zu schaffen frei von Ausgrenzung und Vorurteilen. Der Tag soll zeigen, wie bereichernd Vielfalt ist.

Was bedeutet Diversity?

Diversity heißt „Vielfalt“ – und damit ist die menschliche bunte Vielfalt gemeint, wie sie ja ganz natürlich ist. Ein unternehmerisches Diversity-Management kümmert sich durch Bewusstseinsbildung und organisatorische Rahmensetzung darum, dass all diese unterschiedlichen Herkünfte und Ausrichtungen nicht nur auf dem Papier, sondern im gelebten Alltag des Unternehmens gleichberechtigt wahrgenommen und gleichbehandelt werden.

Du willst mehr über Diversity-Management wissen, dann lese unseren Blogartikel zum Thema „Vertrauen auf Vielfalt“.

Diversity – ein dauerhaftes Anliegen

Menschen sind unterschiedlich in Bezug auf Alter, Religion, Einstellung, sexuelle Orientierung, Geschlecht und weiteren Persönlichkeitsmerkmalen. Und das ist auch gut so. Um Vielfalt im Unternehmen richtig zu managen und zu fördern, bedarf es einer langfristigen Verankerung im Unternehmen. Dafür müssen feste Strukturen, Funktionen und Rollen geschaffen werden.

Um mit genau diesen Unterschiedlichkeiten verantwortungsvoll umzugehen, haben wir bei badenova ein Diversity-Management etabliert. Inge Bell, Menschenrechtsaktivistin und Diversity-Expertin, ist seit 2019 als externe und unabhängige Diversity-Beauftragte für badenova und ihre Töchter tätig.

Anlässlich der Deutschen Diversity-Tage möchten wir bei badenova ein klares Statement für Vielfalt setzen - denn Diversity ist bei uns mehr als nur ein Lippenbekenntnis. Alles rund um die Diversity-Aktion findet sich auf der Webseite.


"Wir streben in unserer Unternehmensgruppe eine Kultur an, bei der ein gesundes wertschätzendes Miteinander für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Vordergrund steht. Bei uns können Sie ganz Sie selbst sein – und gerne auch ganz anders."

Der badenova Vorstand

Doch wo stehen wir beim Thema Diversity in der Gesellschaft? Wie muss ein professionelles Diversity-Management im Unternehmen aufgestellt sein? Warum ist das überhaupt wichtig? Und welche Rollen und Aufgaben übernimmt Inge Bell als externe Diversity-Expertin bei uns bei badenova? Das alles haben wir Inge Bell im Interview gefragt.

Diversity-Expertin und Menschenrechtsaktivistin Inge Bell
Als Diversity-Expertin und Menschenrechtsaktivistin setzt sich Inge Bell mit Herzblut für eine Gesellschaft frei von Diskriminierung ein.

<< Wie erleben Sie Diversity in der Gesellschaft? >>

Inge Bell: Das Thema Diversity, also Vielfalt, meint ja die ganze menschliche bunte Vielfalt. Und die haben wir ja bereits in unserer Gesellschaft: wir sind alle ganz unterschiedlich – wir sehen unterschiedlich aus, sind dick, dünn, groß, klein, sind unterschiedlich alt, haben unterschiedliche Hautfarben, Herkunft, Religion, sind Männer, Frauen oder Trans, hetero, lesbisch, schwul und so weiter. Das ganze pralle Leben eben. Es ist da – aber es ist noch nicht überall angekommen, dass es so ist. Diese bunte Vielfalt gehört also in der Gesellschaft, aber vor allem in der Wirtschaft und der Politik noch sichtbarer und bewusster gemacht, gelebt und gewürdigt.

<< Wie gut sind wir hier schon aufgestellt? >>

Inge Bell: Oh, es gibt noch einiges zu tun in Deutschland. Aber der Wahrheit die Ehre: Deutschland tut auch schon einiges auf der gesetzlichen Ebene: Antidiskriminierungsgesetze, Frauenförderung, Behindertengesetze usw.. Nur muss das halt auch zu gelebter Praxis führen. Was gefühlt erst jetzt endlich in unseren Köpfen einsickert, ist, dass Frauen im Vergleich zu Männern strukturell benachteiligt sind: sie verdienen bei gleicher Leistung weniger - das ist das berühmte Gender Pay Gap. Sie haben weniger Rente, sind betroffen von Altersarmut. Und sie erfahren auch weniger Wertschätzung.

Diese Ungleichheit in der Wahrnehmung von Frauen und Männern muss weg – das ist aber nur ein Aspekt von Diversity. Es gibt noch einiges in Wirtschaft und Gesellschaft zu tun, bis auch andere benachteiligte Gruppen von Menschen auf Augenhöhe wahrgenommen werden und die gleichen Chancen haben wie die Mehrheitsgesellschaft.

<< Warum ist Diversity-Management in Unternehmen wichtig und sinnvoll? >>

Inge Bell: Unsere Wirtschaft ist noch überwiegend stark männlich, mittelalt und weiß geprägt, also recht wenig divers – „it’s a man’s world“.  Es ist erwiesen, dass solche „männlichen Monokulturen“ echte Innovation, Kreativität und auch Zukunftsfähigkeit und Erfolge bremsen. Wenn alle sich gleich verhalten und gleich denken, kann halt nicht viel Neues passieren. Schlimmer noch: dann werden alle Menschen, die jenseits dieser „Norm“ sind, bewusst oder unbewusst abgewertet und geringgeschätzt.  So werden Menschen krank oder kündigen. Und das schadet den Unternehmen.

Zur Person Inge Bell:

Inge Bell (54) ist Unternehmerin, Menschenrechtsaktivistin, Diversity-Expertin und Management Coach. Als langjährige Auslandsreporterin berichtete sie aus Osteuropa über organisierte Kriminalität und Korruption und deckte in Reportagen schwere Menschenrechtsverletzungen auf.

Bell ist Vorständin von TERRE DES FEMMES, Deutschlands größter Frauenrechtsorganisation. Für ihr ehrenamtliches Engagement weit über den Beruf hinaus wurde sie 2007 mit dem Preis "Frau Europas" ausgezeichnet. 2012 verlieh ihr zudem Bundespräsident Gauck das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Erfahre mehr zu Inge Bell und ihrem weitreichenden Engagement auf ihrer Webseite.

<< Wie sollten Unternehmen in diesem Bereich aufgestellt sein? >>

Inge Bell: Für ein gesundes und faires Miteinander in Unternehmen braucht es zuallererst eine ganz klare Haltung der Unternehmensführung: Diskriminierungen werden nicht geduldet. Null Toleranz, wenn Mitarbeiterinnen sexuell belästigt werden, Mitarbeitende anderer Herkunft beleidigt, homosexuelle MitarbeiterInnen ausgegrenzt oder ältere KollegInnen zum alten Eisen abgestempelt werden. Um diese Haltung umzusetzen braucht es unternehmensinterne und auch neutrale, externe Strukturen: interne spezialisierte Vertrauenspersonen, an die man sich wenden kann, Fortbildungen für MitarbeiterInnen und Führungskräfte, damit auch sie Zivilcourage zeigen können - und natürlich klare Konsequenzen und transparente Kommunikation, wenn etwas passiert. Denn eins ist klar: es passiert in jedem Unternehmen. Und dann liegt es am Unternehmen selbst, ob es die Augen bewusst verschließen will oder etwas für eine faire und zeitgemäße Unternehmenskultur tut.

Diversity in der Arbeitswelt

<< Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie mit dem Thema gemacht? >>

Inge Bell: Wie jede Frau kenne auch ich es, nicht ganz ernst genommen zu werden, frauenverachtende Sprüche oder Verhaltensweisen zu kassieren und es insgesamt schwerer zu haben im Berufsleben als Männer. Gleichzeitig finde ich es großartig, in einer Zeit zu leben, in der diese verkrusteten Denk- und Verhaltensmuster endlich aufgebrochen werden – durch Diversity und echte Gleichberechtigung.

<< Welche Rolle haben Sie als externe Diversity-Beauftragte bei badenova? >>

Inge Bell: Als externe, neutrale Vertrauensperson bin ich für die Menschen in der badenova Unternehmensgruppe da, die sich benachteiligt oder diskriminiert fühlen. Gemeinsam schauen wir dann, was wir konkret dagegen tun können. Ich führe Fortbildungen für die Führungskräfte und bald auch für MitarbeiterInnen durch. Denn es braucht Bewusstsein und Bildung in dem Thema – echtes Diversity-Management eben, keine Kosmetik! Zusammen mit sechs weiteren internen Vertrauenspersonen bilden wir den „Diversity Beirat“ der badenova – und beraten auch den Vorstand.

Das Interview zum Anschauen: