Alle reden von Nachhaltigkeit, doch sind wir mal ehrlich – es wird uns im Alltag gerade auch in Sachen Ernährung ganz schön schwer gemacht, diese auch wirklich zu leben. Oftmals wissen wir doch gar nicht, woher die Produkte tatsächlich stammen. Auf den Etiketten in den Supermärkten ist nur vermerkt „aus der Region“. Doch was bedeutet aus der Region? Wer steckt wirklich hinter dem Produkt? Das bleibt oftmals im Verborgenen. Wie Nachhaltigkeit sowie vollkommene Transparenz funktionieren kann – und das sogar in der Fleischproduktion – beweist das Freiburger Start-Up Cowfunding.

Wenn wir in den Supermärkten durch die Regale schlendern, finden wir natürlich auf jedem Produkt Informationen zur Herkunft und zum Hersteller. Doch der Schwarzwälder Schinken muss gar nicht aus dem Schwarzwald kommen, damit er sich so nennen darf. Und regionale Lebensmittel müssen nicht „von hier“ sein – denn der Begriff „Region“ ist gesetzlich gar nicht geschützt. Wer also genauer wissen möchte, wo seine Lebensmittel wirklich herkommen, hat es oftmals sehr schwer. Denn einige Landwirte arbeiten heutzutage quasi im Verborgenen.

Wissen woher’s kommt

Die meist zahlreiche Zwischenhändler machen es uns dann leider auch nicht leichter den ursprünglichen Produzenten unserer Lebensmittel zu erkennen. Wir wissen also oftmals nicht, woher das Produkt auf unserem Teller stammt. Dass das auch anders geht, zeigt das Freiburger Start-Up Cowfunding. Dahinter steckt eine ganz neue Art, faires Fleisch zu vermarkten: Direkt vom Bauern, ohne Umwege und nur aus artgerechter Haltung landet das Fleisch beim Konsumenten.

Weidehaltung Kühe
Mit Ausblick genießen die Kühe von Landwirt Manfred Knobel die Sommerzeit auf den Wiesen am Belchen.

Nach der Philosophie „weg von Massentierhaltung und Verschwendung, hin zum bewussten Fleisch-Konsum“ möchte das Start-Up wieder mehr Bezug zu den Lebensmittelproduzenten herstellen. Das Ziel: nachhaltig produziertes Fleisch, bei dem die Bauern die Wertschätzung für ihre Arbeit erhalten, die ihnen zusteht. Ganz ohne kostenintensive, werbliche Siegel, sondern direkt mit hundertprozentiger Transparenz und Mehrwert für Tier und den ökologisch bewussten Landwirt.

„Cow“ – was?

Ins Internet gehen, sich ein Rind aussuchen, dessen Fleisch bestellen und es direkt vom Landwirt geliefert bekommen – so funktioniert Cowfunding. Das Freiburger Start-Up hat eine Online-Plattform zur Direktvermarktung von fairem, regionalem Weidefleisch entwickelt. Das Prinzip dahinter steckt im Namen: Es geht um die Finanzierung ("funding") einer Kuh ("cow") – das heißt, gemeinsam mit anderen teilt man sich eine Kuh, um sie so komplett zu finanzieren. Abgeleitet vom Begriff Crowdfunding, zu Deutsch Schwarmfinanzierung, folgt die Umsetzung dem Prinzip: Alles oder nichts. Das bedeutet, dass das Tier nur dann geschlachtet wird, wenn die Nachfrage groß genug ist. Das sorgt dafür, dass die komplette Kuh verwendet wird und gleichzeitig auch kein Überschuss produziert wird.

Diese komplett neue Art, die Wertschöpfungskette Fleisch aufzubauen und dabei alte Nutztierrassen im Schwarzwald zu erhalten, hat aufgrund ihre Einzigartigkeit auch im Jahre 2019 eine Förderung aus dem badenova Innovationsfonds Klima- und Wasserschutz erhalten. Mit knapp 92.000 Euro unterstützte der Innovationsfonds die Gründer dabei, die Idee in die Tat umsetzen zu können.

Fleischpaket per Mausklick

„An oberster Stelle stehen bei Cowfunding vertrauenswürdige Partner, von denen wir die Tiere beziehen. Das sind Landwirte aus dem Schwarzwald, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, auch den Tieren die Wertschätzung gegenüberzubringen, die sie verdient haben – nämlich eine besonders nachhaltige und tiergerechte Aufzucht wie auch Haltung“, berichtet Cowfunding-Gründer Moriz Vohrer. „Wir kennen jeden einzelnen Bauern, wissen, wofür sie stehen. Und wir wissen vor allem auch, wie sie ihren Betrieb führen.“

Faires Fleisch von Cowfunding
Fairer und nachhaltiger Fleischkonsum mit voller Transparenz - dafür steht Cowfunding. © Cowfunding

Die Fleischbestellung funktioniert per Mausklick. Mit jedem neuen Tier startet ein neues Cowfunding. Zwischen insgesamt vier Pakten unterschiedlicher Größe können die Kunden dann ihr gewünschtes Fleischpaket – von Rind, über Schwein und Lamm – bestellen. Erst wenn das gesamte Tier verkauft ist, geht es zum lokalen Metzger. Ohne Zwischenhändler gelangt das Fleisch frisch und gekühlt direkt zum Besteller nach Hause.

„Möglichst kurze und vor allem übersichtliche Lieferketten stellen vor allem auch sicher, dass unsere Partner – die Landwirte – immer einen fairen Preis für ihre Leistung erhalten“, erklärt Vohrer. „Mit der vollen Transparenz – von der Weide bis auf den Teller –  weiß der Kunde damit genau, wie das Tier gelebt hat.“
Cowfunding-Team
Moriz Vohrer, Barbara Schneider und Niklas Kullik - stecken hinter Cowfunding. © Cowfunding

Taten für morgen mit Nutztieren von gestern

Eine weitere Besonderheit liegt im Fleisch selbst, denn Cowfunding setzt bewusst auf alte, längst vergessene Nutztierrassen.

Mit der Globalisierung stirbt weltweit alle zwei Wochen eine alte Nutztierrasse aus. Von den in Deutschland noch verbleibenden 60 Landrassen stehen bereits über zwei Drittel auf der Roten Liste.

Dass es diese alten Nutztierrassen mittlerweile glücklicherweise nicht mehr nur im Zoo gibt, ist auch der Philosophie von Cowfunding zu verdanken. Sie haben sich bewusst dafür entschieden, nur mit Landwirten zusammenzuarbeiten, die auf alte Rassen setzen. „Klar ist, dass Landwirte, die heute noch alte Nutztierrassen wie Vorderwälder und Hinterwälder züchten, das nicht primär aus wirtschaftlichem Interesse tun. Sie machen es viel mehr aus innerer Überzeugung, mit viel Passion und Herzblut zu ihrer Tradition, ihrer Landschaft und ihren Tieren“, erzählt Moriz Vohrer.

Wir haben Landwirt Manfred Knobel und seine Tiere besucht - schau doch mal rein.

Die beiden Rassen Vorderwälder und Hinterwälder haben sich den ganz spezifischen lokalen Bedürfnisse und Gegebenheiten bestens angepasst. Aufgrund der steilen Hänge im Schwarzwald sind sie sehr klein gezüchtet, um wenige Trittschäden zu verursachen. Sie gelten als außerordentlich robust, wenig krankheitsanfällig und haben zudem noch eine hervorragende Fleischqualität.

Gut für’s Tier – und für’s Klima

Die Fleischproduktion hat nicht gerade den besten Ruf, wenn es um Treibhausgase und Nitratbelastung von Grundwasser geht. Doch wie so oft kommt es auch hier auf die Haltung der Tiere an.

Fleisch von Tieren, die im Sommer auf der Weide stehen und im Winter Heu aus hofeigenem Anbau erhalten, ist laut BUND um 68,4 Prozent klimafreundlicher als das Fleisch von Artgenossen aus den Mastbetrieben.
Weidekühe Belchen
© Cowfunding

Da Cowfunding ausschließlich mit Weidetieren arbeitet, trägt das Geschäftsmodell mit jedem Kunden, der von konventionellem zu Cowfunding-Fleisch wechselt, aktiv zum Klimaschutz bei. Gut für’s Tier - und für’s Klima. Die für die Freiburgerinnen und Freiburger gestartete Online-Plattform ermöglicht es mittlerweile, dass das Cowfunding-Fleisch deutschlandweit bestellt werden kann. „Essen ist wie Demokratie. Man kann sich jeden Tag aufs Neue wieder entscheiden, wen man unterstützt“, so Moriz Vohrer von Cowfunding. „In diesem Sinne liegt es nun an uns allen den Fleischkonsum künftig nachhaltiger und fairer mitzugestalten.“

Pioniere aufgepasst:

Ihr habt eine Idee, die sich den Klima- und Wasserschutz auf die Fahne geschrieben hat? Euch fehlen jedoch die finanziellen Mittel zur Umsetzung?

Unser badenova Innovationsfonds Klima- und Wasserschutz unterstützt Energiepioniere mit bis zu 100.000 Euro bei der Projektrealisierung. Jährlich fließen nämlich 1,5 Mio. Euro in den in der Energiewirtschaft einmaligen Fonds. Schau doch mal beim Innovationsfonds vorbei.

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