Wenn wir uns zum Thema Nachhaltigkeit austauschen oder informieren, passiert das oft über unser Smartphone: Wir teilen auf Instagram Posts über den Klimaschutz und verschicken saisonale Rezeptideen via WhatsApp. Gleichzeitig wissen viele von uns auch: Die Herstellung eines mobilen Endgeräts ist nicht gerade nachhaltig. Oft werden Menschen ausgebeutet und kritische Rohstoffe verarbeitet. Ist der Besitz eines Smartphones also eine Umweltsünde? Und müssen wir als Smartphonebesitzerin und Smartphonebesitzer jetzt alle ein schlechtes Gewissen haben? Wir zeigen Dir, wie Du einen bewussteren Umgang für Dein Smartphone entwickeln kannst.

Warum sind Smartphones nicht nachhaltig?

Es gibt mehrere Gründe, warum Smartphones nicht gerade nachhaltig sind. Neben negativen Einflüssen auf die Umwelt, spielen auch negative Auswirkungen auf soziale und ökonomische Komponenten eine zentrale Rolle. Die Handyproduktion ist sehr rohstoff- und energieintensiv. Laut dem Portal energiezukunft wird immer noch die Hälfte (rund 57 Prozent) aller Geräte in asiatischen Ländern produziert, in denen der Anteil von Energie aus Kohle fast 60 Prozent beträgt. Zumindest Apple habe sich aber laut dem Portal in China dazu verpflichtet, Energie aus regenerativen Quellen zur Herstellung zu nutzen.

Neben dem Energiethema ist aber auch die Gewinnung der Rohstoffe, die in den Handys verarbeitet werden, nicht außer Acht zu lassen: Laut dem Informationszentrum Mobilfunk werden in einem Gerät bis zu 60 verschiedene Stoffe verbaut. Neben Kunststoffen und Glas gehören zu den Bestandteilen eines Smartphones auch Metalle wie Kupfer oder Eisen – Silber, Gold und Platin können auch in geringen Mengen vorhanden sein. Rare, immer knapper werdende und in der Gewinnung zum Teil bedenkliche Metalle, darunter Kobalt, Gallium, Indium, Niob oder Wolfram, werden ebenfalls in vielen Geräten verarbeitet. Diese Rohstoffe wurden im Jahr 2014 sogar von der EU-Kommission als „kritische Rohstoffe“ eingestuft. Denn die Gewinnung dieser Rohstoffe geschieht häufig unter katastrophalen Bedingungen für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die teilweise für die Gewinnung der Rohstoffe sogar ihr Leben riskieren. So geht aus einem Interview über den Rohstoff Kobalt des SPIEGELs mit einem Experten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hervor, dass der Kleinbergbau für Kobalt meist illegal und unter extrem gefährlichen Arbeitsbedingungen stattfindet. Das auf der Welt sehr ungleich verteilte Mineral findet sich zu 70 Prozent in der Demokratischen Republik (DR) Kongo, Australien und Kuba. Der Experte erklärt weiter, dass Arbeitende beim Abbau der Rohstoffe häufig sterben, weil die Minen einstürzen. Hinzu kommt, dass die Bezahlung sehr schlecht ist. Laut des Experten spiele Kinderarbeit auch eine Rolle. Eine schwerwiegende Ausbeutung des Menschen also – allein nur beim Anbau von Kobalt!

Bis zu 60 verschiedene Teile werden alleine in einem Smartphone verbaut.
Bis zu 60 verschiedene Teile werden alleine in einem Smartphone verbaut.

Smartphone als Grundbedürfnis

Wie Du siehst, ist das Thema Smartphone also keineswegs etwas, was man in Bezug auf Nachhaltigkeit einfach so unter den Teppich kehren sollte. Dennoch ist für die meisten von uns das gute Stück nicht mehr wegzudenken: Viele Quellen sprechen heutzutage bei einem Smartphone auch nicht mehr von einem Luxusartikel, sondern von einem Grundbedürfnis. Denn es dient dazu, mit Familie, Freundinnen und Freunden, Kolleginnen und Kollegen in Kontakt zu bleiben – was nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie nochmal verstärkt wurde. Was man natürlich auch nicht vergessen darf, ist das Internet, auf welches viele über ihr Handy zugreifen, ein enorm wichtiges Kommunikationsmittel, um Nachhaltigkeitsthemen zu transportieren. Allein die Tatsache, dass es inzwischen zahlreiche Nachhaltigkeitsbloggerinnen und Nachhaltigkeitsblogger gibt – mit denen übrigens auch wir hier von ENERGIEVOLL zusammenarbeiten (zu unseren Gastautorinnen und Gastautoren) – zeigt, wie allgegenwärtig das Thema für das World Wide Web ist. Und genau deshalb ist das Smartphone gerade für das Thema Nachhaltigkeit von enormer Bedeutung und Wichtigkeit. Viele würden vielleicht gar nicht das Wissen über viele Dinge haben, würden sie nicht täglich beispielsweise in den Sozialen Medien über ihr Smartphone darüber lesen.

Kamera, Telefon, Navigationssystem: Unsere Smartphones sind ein "All in one"-Produkt
Kamera, Telefon, Navigationssystem: Unsere Smartphones sind ein "All in one"-Produkt.

Müssen wir ein schlechtes Gewissen haben, weil wir ein Smartphone besitzen?

Jein. Zuerst einmal ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass ein Smartphone nicht etwas ist, was klimafreundlich auf Bäumen wächst und eben in den meisten Fällen nicht unter fairen oder ökologischen Bedingungen produziert wird. Und an diesem Bewusstsein solltest Du auch Dein Handeln ausrichten. Um Dir ein paar Tipps mit an die Hand zu geben, haben wir ein paar Ideen zusammengetragen, was Du in Bezug auf das Thema Smartphone Nachhaltiges tun kannst:

1. Pass gut auf Dein Handy auf: Der wohl einfachste und naheliegendste, aber oft nur halbherzig umgesetzte Tipp von uns lautet: Schütze Dein Handy mit einer Handyhülle und einem Displayschutz. Je geringer das Risiko, das Gerät kaputt zu machen, desto unwahrscheinlicher ist es auch, dass Du bald ein neues brauchst. Handyhüllen gibt es inzwischen übrigens von verschiedenen Anbietern aus biologisch abbaubaren Rohstoffen oder aus recyceltem Plastik aus den Weltmeeren.

2. Kaufe ein neues Gebrauchtes: Wie auch in der Modeindustrie gilt: Second Hand ist besser als neu kaufen. Dinge, die sich bereits in der Kreislaufwirtschaft befinden, haben immer eine bessere Ökobilanz als Neuware. Greife doch auch hier zu einem gebrauchten Handy. Dabei ist jedoch ganz wichtig: Gebraucht ist nicht gleich gebraucht. Es gibt etliche Seiten wie Rebuy, Swappie oder die der AfB [unbezahlte Werbung], die hochwertige, gebrauchte Neuware anbieten. Verschiedene Filteroptionen ermöglichen Dir Dein Traumhandy zu finden, welches einem Neumodell in nichts nachsteht und gleichzeitig auch noch Deinen Geldbeutel schont!

3. Nutze Dein Handy so lange wie möglich: Natürlich gilt vor allem, dass Du Dein Handy so lange wie möglich nutzt. Laut einer Studie von Global E-Waste beträgt die Lebensdauer eines Handys in Europa, den USA und China nur rund 18 bis 24 Monate. Auch wenn es ein neueres Modell auf dem Markt gibt – überlege Dir, ob die zwei neuen Features wirklich so notwendig sind, wie sie Dir die Werbung vermitteln will?

4. Alte Handys an Sammelstellen zum Recyclen geben: Geht Dein Handy nun doch irgendwann kaputt, dann gebe es an Firmen, die auf das Recyclen und Wiederaufwerten von Handys spezialisiert sind. So können die wertvollen Rohstoffe aus Deinem Handy weiterverarbeitet werden. Die Deutsche Telekom oder die AfB [unbezahlte Werbung] bieten solche Dienste beispielsweise an.

Handysammelaktion

Wir von der badenova schließen uns an eine Handysammelaktion der Deutschen Telekom an: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können ihre alten privaten Handys bei uns abgeben und wir schicken sie ein – zum Recyclen! Mit diesem Pilot-Projekt möchten wir den Bedarf für ein Recycling alter, privater Handys abfragen. Im Anschluss prüfen wir, ob wir so ein festes Angebot bei uns etablieren können. In diese Aktion möchten wir gerne auch unsere Kundinnen und Kunden miteinbeziehen. Wenn sich die derzeitige Situation wieder etwas entspannt und unsere Servicecenter wieder öffnen dürfen, weiten wir die Aktion für sie aus.
Im Umgang mit unseren Diensthandys sind wir ebenfalls vorbildlich: Diese werden an das gemeinnützige IT-Unternehmen AfB geschickt, bei dem Menschen mit Behinderung die Handys ebenfalls recyclen bzw. fachgerecht entsorgen! Mehr zur Aktion und den Datenschutzrichtlinien findest Du im Newsbereich auf badenova.de


5. Es gibt auch fair produzierte Smartphones! Bei all den negativen Argumenten gegen Smartphones gilt es in diesem Kontext natürlich auch zu erwähnen, dass es inzwischen auch sogenannte Fairphones gibt [unbezahlte Werbung]. Das Unternehmen Fairphone macht sich für Nachhaltigkeit und faire Arbeitspraktiken in der Elektroindustrie stark . Übrigens: Unsere Kolleginnen und Kollegen bei der badenova haben das Fairphone in einem Pilot-Projekt getestet. Dabei soll herausgefunden werden, inwiefern das Fairphone als Geschäftshandy geeignet ist, so können wir zukünftig auch den Bezug unserer Geschäftshandys nachhaltiger gestalten. Aktuell sind wir noch dabei, die Rückmeldungen der Test-Anwenderinnen und Anwender auszuwerten.

Reduce, reuse, recycle: Die drei "R"s einer Kreislaufwirtschaft.
Reduce, reuse, recycle: Die drei "R"s einer Kreislaufwirtschaft.

Wie Du siehst, gibt es einige Möglichkeiten, den Umgang mit dem Smartphone nachhaltiger zu gestalten. Falls Du Dir also zu Weihnachten ein neues Smartphone gewünscht hast, ist es vielleicht noch nicht zu spät, der schenkenden Person unseren Blogbeitrag zu schicken. Oder falls Du Dich selbst vom Weihnachtsgeld mit einem neuen Handy belohnen wolltest: Vielleicht haben wir Dich ja dafür begeistert, auch mal bei Webseiten reinzuschauen, die gebrauchte Handys anbieten oder Deine Entscheidung zu überdenken, falls Dein Smartphone noch einwandfrei funktioniert!