window.matters
window.matters setzt auf energetische Ertüchtigung statt Entsorgung – mit minimalem Einsatz neuer Rohstoffe, nachhaltig, ökologisch und wirtschaftlich attraktiv.
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| Projektdaten | |
|---|---|
| Projektname | window.matters – Potenziale nachhaltiger, energetischer Sanierungen am Beispiel von Schulfenstern |
| Projektnummer | 2023-B-002 |
| Projektart | Bau & Anwendung |
| Umsetzung durch | Baukreisel |
| Laufzeit | bis |
| Projektstatus | Abgeschlossen |
| Fördersumme | 123.398 € |
Wiederverwendung von Fenstern zur Reduktion des ökologischen Fußabdrucks
Das Forschungsprojekt window.matters verfolgt das Ziel, einen effizienten und skalierbaren Prozess zur Wiederverwendung von Bestandsfenstern zu entwickeln. Damit soll der massive ökologische Fußabdruck der Bauindustrie reduziert werden – insbesondere durch die Minimierung von Treibhausgasemissionen und grauer Energie, die bei der Herstellung neuer Fensterelemente entsteht. Die Wiederverwendung soll sowohl bei Sanierungen als auch bei Neubauten nach Abriss möglich sein und dabei aktuelle Wärmeschutzvorgaben erfüllen.
Hintergrund und Handlungsbedarf
Die Bauindustrie ist für rund 40 % der Treibhausgasemissionen und über die Hälfte des Festmüllaufkommens in Deutschland verantwortlich. Besonders Fenster tragen erheblich zur grauen Energie eines Gebäudes bei. Dennoch werden sie bei energetischen Sanierungen fast immer durch Neuprodukte ersetzt – mit teils jahrzehntelanger Amortisationszeit. Erste internationale Projekte zeigen, dass die Wiederverwendung technisch möglich ist. In der Region Freiburg besteht durch den Sanierungsstau zahlreicher öffentlicher Gebäude ein großes Potenzial für die praktische Anwendung. Hier setzt window.matters an, um Wiederverwendung als Standardverfahren zu etablieren.
Forschung, Innovation und regionale Umsetzung
Das Projekt ist Teil der Forschungsinitiative reuse.matters von Baukreisel e.V. und adressiert zentrale Hürden wie fehlendes Materialwissen, mangelnde Standardisierung und geringe Skalierbarkeit. Durch praxisnahe Experimente, Systematisierung und Digitalisierung sollen diese Herausforderungen überwunden werden. Ziel ist es, Wiederverwendung wirtschaftlich konkurrenzfähig zu machen. Die Ergebnisse sind direkt auf regionale Bauvorhaben übertragbar und bieten eine konkrete Alternative zur klassischen Bauproduktion – mit weniger Emissionen, weniger Ressourcenverbrauch und mehr Nachhaltigkeit.
Drei wesentliche Erkenntnisse aus dem Projekt
Der Bestand ist weit langlebiger als angenommen – das Problem ist nicht das Glas, sondern seine Dämmwirkung.
Die zentrale Erkenntnis ist ein klarer Generationswechsel um das Ende der 1970er-Jahre: Während frühe Isoliergläser fast durchweg defekt sind, sind die ab 1981 verbauten Einheiten auch nach mehr als vier Jahrzehnten noch nahezu vollständig intakt. Damit verschiebt sich die Frage grundlegend. Diese Fenster sind nicht am Ende ihrer Lebensdauer und müssen nicht ersetzt werden – sie sind lediglich energetisch veraltet. Die naheliegende Antwort ist daher nicht der Austausch, sondern die Aufwertung des Vorhandenen.
Nicht die Höhe der Emissionen entscheidet, sondern ob sie sich überhaupt noch amortisieren.
Im Verlauf des Projekts zeigte sich, dass die übliche Betrachtung einzelner Emissionswerte zu kurz greift. Maßgeblich ist die zeitliche Dimension: ob sich der bei der Herstellung aufgewendete CO₂-Einsatz über die eingesparte Heizenergie noch zurückgewinnen lässt. In einem Wärmenetz, das wie das Freiburger auf Klimaneutralität zusteuert, schließt sich dieses Zeitfenster – ein emissionsintensiver Austausch kann sich dann nie mehr rechnen, während die Aufwertung ihre Last nahezu sofort ausgleicht. Diese Einsicht macht die Geschwindigkeit der Amortisation, nicht den Absolutwert, zum eigentlichen Bewertungsmaßstab.
Die Förderlogik begünstigt nicht die ökologisch beste Lösung.
Der Vergleich der Wege führte zu einem unerwarteten Befund: Ausgerechnet die am stärksten geförderte und regulatorisch am besten verankerte Lösung – der komplette Austausch – schneidet in der Gesamtbetrachtung am schlechtesten ab. Die heutige Förderung honoriert Normerfüllung und Marktreife, nicht aber Materialerhalt, geringe Herstellungsemissionen oder eine schnelle Amortisation. Damit wurde sichtbar, dass nicht allein die Technik, sondern auch der Förder- und Normrahmen über die Klimawirkung einer Sanierung entscheidet.
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