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    Verborgener Lebensraum Grundwasser | 2018-06

    In einem Citizen-Science-Projekt wird das Grundwasser auf Organismen untersucht, um die grundwasserökologische Forschung öffentlichkeitswirksam zu fördern.

    Projektdaten  
    Projektname Grundwasser- der verborgene Lebensraum Citizen-Science-Projekte im Vorfeld zur Landesgartenschau 2022 in Neuenburg am Rhein
    Projektnummer 2018-06
    Projektart Forschung und Studien
    Projektträger Landesgartenschau 2022 Neuenburg am Rhein
    Laufzeit Juni 2018 bis Mai 2021
    Fördersumme 150.000 €

    Wichtiger Lebensraum Grundwasser

    Das Grundwasser ist Lebensraum einer bisher kaum erforschten Vielzahl an Kleinstlebewesen wie winzigen Krebsen, Milben oder Würmern. Sie tragen so bizarre Namen wie Hüpferlinge (Cyclopoida), Bärtierchen (Tardigrada) und Vielborster (Polychaeta) und leben metertief unter der Erde. Diese Tierwelt spielt eine wichtige Rolle dabei, das Grundwasser zu säubern und damit unsere Trinkwasserversorgung sicherzustellen. Doch obwohl diese Tierchen so wichtig für uns sind, ist der Lebensraum Grundwasser heute ähnlich unerforscht wie die Tiefsee. Es gibt große Wissenslücken (z.B. Verbreitung und Standortansprüche einzelner Arten, Biodiversität, etc.) und nur sehr wenige Experten und Expertinnen, die daran arbeiten, diese Lücken zu schließen.

    Ohne Kenntnisse über die Grundwasserlebensgemeinschaften ist der Schutz und Erhalt von Grundwasser als lebensnotwendige Ressource und besonderer Lebensraum aber kaum möglich. Aus diesem Grund ist es dringend notwendig, diesen verborgenen Lebensraum und seine Bewohner genauer zu untersuchen und verlässliche Daten zu sammeln.

    Die Region Südbaden ist für solche Projekte besonders geeignet, da erste Daten zeigen, dass hier die Biodiversität im Grundwasser, auch im europäischen Vergleich, außergewöhnlich hoch ist. Aufgrund der speziellen hydrologischen, hydrographischen und biogeographischen Verhältnisse wird sogar davon ausgegangen, dass es in dieser Region seltene und bisher unentdeckte Arten gibt.

    Ziele des Projekts

    Übergeordnetes Ziel des Projekts Grundwasser - verborgener Lebensraum ist es, Wissen zu schaffen und weiterzuverbreiten und damit eine Grundlage für den Erhalt der Ökosystemleistungen und der Vielfalt des Lebensraums Grundwasser aufzubauen. Im Gegensatz zu bisherigen grundwasserfaunistischen Untersuchungen in Deutschland werden die Lebensgemeinschaften erstmalig kleinräumig erfasst. Dies ermöglicht die Erforschung von lokalen Verbreitungsmustern der Grundwassertiere. Erstmals soll auch die Beurteilung des Zustands der Grundwasserökosysteme durch die An- bzw. Abwesenheit von bestimmten Tierarten (Bioindikation) großflächig erprobt werden. Diese Methode gibt Aufschluss über die vorherrschenden Umweltverhältnisse, insbesondere den Austausch mit Oberflächenwasser, an.

    Um diese Ziele zu erreichen werden unter wissenschaftlicher Begleitung umfangreiche Daten und Tiere gesammelt und ausgewertet. Diese sollen eine Basis für weitere grundwasserökologische Forschungsvorhaben in der Region Südbaden bilden und als Grundlage für naturschutzfachliche und wasserwirtschaftliche Planungen herangezogen werden können. Zusätzlich sollen die Hintergründe, Methoden und Ergebnisse didaktisch aufbereitet werden und durch die Erstellung von Unterrichtsmaterialien in Schulen und im ehrenamtlichen Naturschutz zum Einsatz kommen.

    Das Besondere an diesem Vorhaben ist, dass die Daten nicht nur von Wissenschaftler_innen, sondern auch von freiwilligen Helfer_innen, Schülerinnen und Schülern sowie Studierenden und Naturschutzverbänden gesammelt werden. Dieses Konzept nennt sich Bürgerwissenschaft, oder Citizen Science.

    Bürgerwissenschaft oder Citizen Science

    Die Untersuchung der Grundwasserlebensgemeinschaften ist auch für Laien leicht zu bewerkstelligen, so dass sich jede und jeder an den Probenahmen und Auswertungen beteiligen kann. Darüber hinaus sollen Schüler und Schülerinnen im Rahmen von Facharbeiten unter Anleitung von Studierenden gut zugängliche Standorte beproben. Hierfür bieten sich neben Grundwassermessstellen vor allem Schwengelpumpen in Gärten, Hausbrunnen und Quellen an. Die untersuchten Lebendgemeinschaften sollen im Hinblick auf ihre Naturnähe nach einem einfachen Verfahren des Umweltbundesamtes bewertet werden

    Ziel ist es, etwa 200-300 Grundwassermessstellen zu beproben und die Ergebnisse in studentischen Qualifikationsarbeiten zu analysieren.

    Neben der Erfassung und Kartierung der Grundwasserorganismen erstellen die Projektpartner zusammen mit Studierenden der Universität Koblenz-Landau Unterrichtseinheiten und Materialien für Schulen und Umweltverbände. Außerdem werden die Ergebnisse des Projektes auf der Landesgartenschau Neuenburg 2022 präsentiert.

    Bisherige Ergebnisse des Projekts

    Insgesamt konnten bisher 6.876 Individuen aus allen im Grundwasser vorkommenden Großgruppen gesammelt werden. Von den Proben wurde ca. die Hälfte in einem weiteren Forschungsprojekt (Bio-TGW gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung) auf Artniveau bestimmt. Bisher wurden 49 Krebs- und Ringelwurmarten identifiziert. Für die Behandlung des Themas Grundwasserökologie an der Schule (Sekundarstufe 1 am Gymnasium) wurde eine sechsteilige Unterrichtsreihe entwickelt, die den Bogen von einer allgemeinen Einführung in den Wasserkreislauf über eine vergleichende Betrachtung von verschiedenen Gewässertypen, der vertiefenden Darstellung des Lebensraumes Grundwasser in Theorie und Praxis bis zu Wasser als Ressource spannt.

    Das Thema Grundwasser auf der Landesgartenschau Neuenburg 2022

    Die Landesgartenschau 2022 in Neuenburg am Rhein mit dem Thema 'Wasser" bietet die einmalige Chance, auch das Grundwasser in seiner vielfältigen Bedeutung in die Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit zu rücken. Im Vorfeld der soll der Lebensraum Grundwasser und seine Bewohner ins öffentliche Bewusstsein gebracht werden, unter anderem durch die direkte Beteiligung an der Probenahme. Auf der Landesgartenschau selbst, wird die Grundwasserwelt im Rahmen einer Ausstellung, vorbereitet vom Senckenberg-Museum in Görlitz, erlebbar.So können alle einen Einblick in diesen wunderlichen, verborgenen Lebensraum bekommen.

    Auch wenn das Thema Grundwasser als Lebensraum wenig bekannt ist, finden sich unter unseren Projekten viele, die sich mit dem Thema Grundwasser und Trinkwasserversorgung befassen. Dabei geht es häufig um Rückstände von Düngemitteln und deren Zusätze ( Ureasehemmstoffauswirkung im Grundwasser; Gewässerschutz durch bessere Nitratkontrolle), von Pflanzenschutzmitteln ( Minimierung von Pflanzenschutzmittelabbauprodukten im Grundwasser; Herbizide und Grundwasser) oder anderen Chemischen Stoffen ( Aufklärung der Quellen für Chromat im Rohwasser von Trinkwasserversorgern).

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